Ich habe gar nichts gemacht! Trotzdem habe ich Ärger bekommen von einer Mutter in der Krippe, denn wir sind eine Eltern-Ini, das heißt, die Eltern müssen sich selbst organisieren und sich einmischen. In unserer Signal-Gruppe wird weiterhin viel besprochen, aber deutlich weniger, seit es einen neuen Vorstand gibt. Wer im Chat etwas Falsches schreibt, bekommt sogleich Ärger: «Bitte dieses Thema auf keinen Fall in der Gruppe ansprechen! Halt einfach den Rand, du Lümmel.» Ich paraphrasiere.
Ich bin eher der Typ «stiller Mitleser»
Doch dieses Mal habe ich gar nichts geschrieben, ohnehin bin ich eher der Typ «stiller Mitleser». Ich nehme Informationen zur Kenntnis und zumeist vertritt bereits jemand anders meinen Standpunkt, sodass ich schweigen kann. Das bewahrt mich eigentlich vor verschriftlichen Angriffen. Normalerweise, nicht aber heute, als auch ich die schriftliche Rüge erhielt: Es sei einfach unmöglich.
Es ist einigermaßen seltsam, als Erwachsener Ärger zu bekommen. Einen Anschiss zu kriegen, einen Einlauf verpasst zu bekommen. Das passiert etwa, wenn man zu viel Homeoffice macht, dann moniert der Chef dieses Fehlverhalten und bittet, künftig in die Firma zu gleiten. Ebenso droht Ärger, weil man etwa eine Meinung zum Thema Zuckerkonsum kundtut. Selbst ich weiß, dass Kleinkinder keinen einzigen Gramm dieses weißen Giftes vertilgen sollten. «Führe sie nicht in Versuchung», würde Gott murmeln, wenn er sich für unsere Kita interessieren würde. Aber er hat unsere Signal-Gruppe stummgeschaltet, das weiß ich genau – weil ich Gott bin. Quatsch, das stimmt gar nicht: In Wahrheit bin ich lediglich ein regulärer Mitleser, der gar nichts gemacht hat.