Aufessen

27. März 2026

Als Arbeitnehmer bin ich weder vertraglich noch gesetzlich dazu verpflichtet, das Mittagessen in der Betriebskantine aufzuessen. Auch eine moralische Pflicht besteht nicht. Dass ich regelmäßig irgendeinen Bestandteil der Mahlzeit übrig lasse, veranlasst so manchen Kollegen zur Kommentierung dieses gewöhnlichen Umstands: «Wieder nicht aufgegessen, dann regnet es morgen! Iss mal dein Gemüse», schallt es. Und ich denke: [redacted].

Ich selbst kommentiere niemals das Essverhalten meiner Kollegen. Es ist mir schlicht egal, ob A. sich noch einen dritten Burger in die Gusche schiebt, oder ob F. sein unberührtes Essen gegen die Wand schleudert oder in den Mülleimer wuchtet. Macht, was ihr wollt, baut den Devil’s Tower aus Kartoffelbrei nach, oder esst alles auf – mir vollkommen egal.

Baut den Devil’s Tower aus Kartoffelbrei nach – mir egal

Aber andere Leute sind anders: Sie spüren das dringende Bedürfnis, einen Kommentar zu äußern, als seien sie vom Sportfernsehen und müssten ein ödes Spiel mit seichten Worten etwas spannender gestalten. Ich möchte einfach nur in Ruhe essen und die Ananas übrig lassen, weil ich dieses sogenannte Bromeliengewächs einfach eklig finde. Wieder nicht aufgegesssen. So fucking what?