Feuer im Finger

25. September 2025 · Eschede

Es brennt, mein kleiner Finger steht in Flammen. Aber nur sinnbildlich: Es ist keine spontane Selbstentzündung, die mir widerfuhr, nur ein gewisses Pech, denn ich erwischte mit der Hand eine Wespe – und die stach prompt zu. So ist das nun. Mein Körper reagiert verstimmt und mit einer allergischen Reaktion.

Die Frau am Ende der Leitung ist recht genervt und schlecht gelaunt. Tja, ich solle in der Bereitschaftspraxis vorbeischauen, in Celle, im Krankenhaus. Die 116117 hilft, wenn Hausärzte schon Feierabend haben, der «Notfall» das Leben aber nicht akut bedroht – sonst: 112. Ich stelle mir vor, dass da viele seltsame Leute anrufen. Ich wäre auch mies gelaunt, zumal heute Freitag ist.

Zwar bildet mein Körper an mehreren Stellen seltsame Quaddeln und einen Ausschlag, aber es beruhigt sich dann doch alles. Ich bleibe also in der Unterkunft. Fahre nicht ins Krankenhaus (in die Bereitschaftspraxis). Die Finger schwellen an, dann die ganze Hand. Draußen am Haus befindet sich direkt am Eingang ein Wespennest. Das Tier, das mich angriff, war offenbar ins Haus geflogen, ins Wohnzimmer, und hatte ebendort die Kollision mit meinem kleinen Finger. Die Vermieterin, Frau F., meint einige Tage später, dass sie neulich mit dem Staubsauger die Wespen zwei Stunden lang eingesaugt habe. Wupp-wupp-wupp ging das. Nun sind sie wieder da, neu eingezogen, und sie rächen sich jetzt. Frau F. weiß vielleicht nicht, dass Wespen unter Naturschutz stehen. Das ist aber auch egal, hier draußen: Da machen die Leute, was sie wollen. Bekommt ohnehin keiner mit.

In diesem Ortsteil, der Marwede heißt und im Grunde zu Eschede gehört, wohnen alle in frei stehenden Häusern. Sie haben riesige Gärten und alle haben mindestens einen Hund, gern auch drei. Dann müssen die Leute aber Käfige in ihre Autos einbauen und sie ordentlich verschweißen. Die Hunde bellen wie verrückt, gern würden sie mich zerfleischen, ich bin der Fremde, nur ein Wochenende hier. Zum Spaß, zur Entspannung, aber leider ist meine Hand grotesk entstellt.

Trotzdem stehe ich in der Nacht am Waldrand und schaue in den Himmel. Die Milchstraße ist gut zu erkennen, außerdem Andromeda (die Galaxie). Neben mir ist es stockfinster. Ein sattes Schwarz ist da. Wahrscheinlich sind die Wölfe unterwegs. Der Wald raschelt und die Bäume werfen Granaten. Also Eicheln, die hart auf den Boden aufschlagen. Ich ignoriere alles und starre ins All, habe extra mein Fernglas mitgebracht. Beeindruckend.