Kindheit bei Kaufhof

6. Januar 2023

Kaufhof schließt für immer, der große Kaufhof in der Innenstadt. Der hieß seit einer Weile nur noch Galeria, früher hieß er Horten, dann Galeria Kaufhof. Als Kind war ich oft dort, neue Schuhe kaufen, Pullover und Jeans, Spielzeug und Videospiele. Alles, was ich brauchte, gab es dort (und bei Karstadt).

Meine Mutter drückte auf den Schuhspitzen herum, zuppelte am neuen Pullover. Zwischendurch Mittagessen bei Dinea, ganz oben. Bei den Klos hockte die Frau, der man immer ein paar Münzen auf den Teller legen musste, um keinen kalten Blick zu kassieren. (Fast wie früher in der Kirche, wenn der komische Klingelbeutel herumging: Ein paar Cent reinklimpern lassen und rasch weitergeben.) Bei Dinea also Schnitzel mampfen und weiche Pommes durch den Ketchup ziehen. Dazu Fanta oder Sprite schlürfen. Anschließend weiter, noch mehr kaufen. Einen Anorak vielleicht, noch ein T-Shirt.

Ausverkauf

Jetzt, im Januar 2023, ist endgültig Schluss: Ausverkauf! Die Regale sind leer, sie werden abgeschraubt, abgebaut, weggefahren. Ein letztes Mal stehe ich in diesem Kaufhaus. Viel zu kaufen gibt es nicht mehr – nur noch ein paar Brettspiele und Kleinkram. Es riecht trotzdem noch nach Parfüm.

Früher war hier immer was los, vor allem zu Weihnachten. Über die Jahre kamen immer weniger. Ich wollte immer nur nach oben fahren, zum Spielzeug, zum Lego, zu den N64-Spielen. Klar. Jetzt öffnet sich die Fläche, jetzt ist so viel Platz. Ein Zyklus endet. Das Kaufhaus-Gebäude soll bald komplett abgerissen werden, berichtet die Zeitung. Dann verschwinden auch die Horten-Kacheln – und mit ihnen ein Stück alte BRD und ein paar Kindheitserinnerungen.

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