Spaß im Supermarkt

15. Januar 2026

Wenn der liebe Sohn im Supermarkt im Weg herumsteht, sage ich nicht: «Mach mal Platz!» Ich lasse ihn in Ruhe. Ignoriere, dass er «im Weg» steht. Niemals würde ich mich dafür entschuldigen. Im Gegenteil: Ich mag es, die Leute etwas zu nerven. Zu quälen. Zu ärgern. Alle sind sie in Eile, klar. Aber die Leute stehen ja selbst oft genug im Weg herum und behindern mich. Nun ist es wohl an der Zeit, Rache zu nehmen.

Also lasse ich den lieben Sohn gewähren, er kann durch den Supermarkt streifen, wie es ihm beliebt. Es ist ihm ja vollkommen egal, ob er den Leuten im Weg steht. Das beneide ich: diese sorglose «Ignoranz». Ich hingegen achte stets übertrieben darauf, niemandem den schnellen Zugang zum Schnaps zu versperren. Also stehe ich am Rand, wenn ich die Waren beäuge, wenn ich die Tiefkühlwaren mit meinen regulären Augen scanne. Erst, wenn ein Zugriff erfolgen soll, trete ich rasch an das Regal heran und schnappe mir das gewünschte Produkt.

Natürlich stehe ich trotzdem ständig im Weg, aber das ist nicht zu vermeiden. Die Supermarktkunden sind nämlich wahnsinnig, allesamt sind sie verrückt und oftmals gemeingefährlich. Ich stehe zum Beispiel beim Käse und möchte in zwei Sekunden zugreifen, sodann taucht aber ein Wahnsinniger auf und denkt: Aber ich will da jetzt sofort auch hin, weg da! Stößt mich zur Seite und schnauft. Grapscht nach dem Käse, hält dann aber inne und überlegt laut: «Brauche ich überhaupt Käse?»


Neulich stand der liebe Sohn verträumt mitten im Gang herum, und da kamen gleich mehrere Leute mit ihren Einkaufswägen angebrettert. Die Frau ganz vorn war sichtbar in Eile – und ihre Gesichtszüge entgleisten, als ihr klar wurde, dass ein Kleinkind im Weg herumstand und der anwesende Vater sein Maul nicht aufreißen würde, um es zur Seite zu kommandieren: «Jetzt mach der Dame mal Platz, du Lümmel!»

Ich tat stattdessen so, als wäre ich mir dieses Umstandes gar nicht bewusst. Studierte scheinbar die Brühwürfel. Heimlich genoss ich aber, dass die Frau sichtbar litt. Sie musste warten, mehrere Sekunden sogar, bis sich der liebe Sohn zufällig zur Seite bewegte und versehentlich Platz machte. Schade eigentlich. Die Frau passierte uns grummelnd und schnaufend. Ich bewarf sie spaßeshalber mit einer Thunfischdose.