Heute hatte der liebe Sohn seinen ersten Tag in der Krippe, in der Kita. Ich mache die Eingewöhnung und kann mir (noch) nicht vorstellen, dass der Sohn eines Tages dort bleiben kann – allein, also ohne mich, ohne Mama, ohne uns. Die älteren Kleinkinder sind natürlich allein in der Kita, sie spielen und toben; das ist für sie Routine. C. ist der Kneifer, das merke ich am eigenen Leibe. J. ist sehr freundlich, der sitzt da und baut Häuser aus Duplo.
Ich muss jetzt lernen, loszulassen. An diesem ersten Tag soll ich mich etwas im Hintergrund halten, während der Sohn die neue Welt erkundet. Ganz zaghaft erst, dann forsch und mutig. Sogleich will er hoch hinaus – er stürzt und prallt mit der Stirn gegen eine Holzwand. Rumms! Oh, oh. Eine Beule drückt sich aus seiner Stirn, seine erste richtige Beule. Bisher hatte er nur eine kleine Beule, die den Namen nicht verdient hat – zu schnell war sie wieder weg. Jetzt aber ist eine echte Beule zu sehen, ein wenig blau wird sie auch schon. Der Sohn weint, die Erzieherin übergibt ihn mir. Ich tröste und beruhige, ich bin für ihn da. Alles nicht so schlimm.
Das war also der erste Tag in der Kita
«Das passiert», sagen die Leute. «Er wird noch mehr Beulen bekommen!» Das ist doch ganz normal. Mag sein – doch es ist nicht so einfach, das hinzunehmen, die Situation einfach wegzulächeln oder was auch immer. Immerhin hat er sich schnell beruhigt, das schon, aber in meinem Kopf rattert es: Gehirnerschütterung! Hirnblutung! Intensivstation! Ich kann nicht anders und muss ans Schlimmste denken, muss das quasi durchspielen. Was, wenn …?
Die Beule ist jetzt da und ja: Es wird nicht die letzte Beule bleiben. Er spielte dann weiter, näherte sich der Erzieherin an. Das war also der erste Tag in der Krippe, in der Kita. Eben noch lag der Sohn in seinem Nest und schlief. Und weinte. Und nuckelte. Und jetzt steht er da zwischen den anderen Kindern und schaut fasziniert zu. Eine neue Welt, ein neues Kapitel.